
Ein Ort, der verbindet – Stiftung Heimstätten Wil
Interview: Catherine (råvi organics) und Michael (Stiftung Heimstätten Wil)
Für unsere neue Hautpflegelinie bei råvi organics habe ich ein Gua Sha-Tool entworfen, das sich durch seine besondere Form auszeichnet – sorgfältig gestaltet, um Gesicht, Hals und Kopfhaut gezielt zu pflegen. Von Anfang an war es meine Vision, dieses Tool lokal in der Schweiz zu fertigen – mit regionalem Holz und traditioneller Handwerkskunst. Nachhaltigkeit und Inklusivität waren mir dabei ebenso wichtig. Als ich die Stiftung Heimstätten Wil kontaktierte, war ich begeistert, von Michael zu erfahren, dass eine langfristige Zusammenarbeit möglich ist. Daraus entstand eine Partnerschaft, die weit über das Produkt hinausgeht – getragen von gemeinsamen Werten und dem Wunsch, etwas Schönes und Beständiges zu schaffen. In diesem Interview blicken wir zurück auf den Entstehungsprozess, die Herausforderungen und die gemeinsame Freude, dieses besondere Projekt zum Leben zu erwecken.
Catherine: Kannst du uns kurz erzählen, wofür die Stiftung Heimstätten Wil steht und welche Vision dahinter steckt?
Michael: Die Stiftung Heimstätten Wil setzt sich seit 1994 für die Teilhabe und Selbstbestimmung von Menschen mit Beeinträchtigung ein. Unsere Vision ist eine inklusive Gesellschaft, in der jeder Mensch seinen Platz findet – unabhängig von seinen Fähigkeiten. Wir schaffen Lebens- und Arbeitsräume, in denen sich Menschen entfalten, entwickeln und wohlfühlen können.
Catherine: Seit 1994 setzt sich die Stiftung für Menschen mit Beeinträchtigung ein – wie sieht das im Alltag konkret aus?
Michael: Im Alltag bedeutet das: Wir bieten Wohnmöglichkeiten, Arbeitsplätze und Tagesstrukturen, die individuell auf die Bedürfnisse unserer Klient:innen abgestimmt sind. Dabei stehen persönliche Entwicklung, soziale Integration und ein respektvoller Umgang im Mittelpunkt. Wir begleiten unsere Mitarbeitenden mit viel Engagement und Fachwissen.
Catherine: Was ist dir persönlich an der Arbeit mit den Klient:innen besonders wichtig?
Michael: Mir ist wichtig, dass wir den Menschen auf Augenhöhe begegnen. Jeder Mensch bringt eigene Stärken, Wünsche und Bedürfnisse mit – diese zu erkennen und zu fördern, ist für mich zentral. Es geht nicht nur um Betreuung, sondern um gemeinsames Gestalten des Alltags, gemeinsame Ziele die erreicht werden oder Aufträge die zusammen erledigt werden müssen.
Catherine: Welche Entwicklungen oder Projekte plant die Stiftung für die nächsten Jahre?
Michael: Wir arbeiten kontinuierlich an der Weiterentwicklung unserer Angebote – stets mit dem Ziel, Menschen mit Beeinträchtigung bestmöglich zu begleiten und zu fördern. Ein zentraler Fokus liegt dabei auf der intensivierten Zusammenarbeit mit externen Partner:innen, um neue, sinnstiftende Projekte zu realisieren und innovative Arbeitsfelder zu erschliessen. Ein weiterer Schwerpunkt ist das Thema Nachhaltigkeit – sowohl in ökologischer als auch in sozialer Hinsicht. Wir möchten unsere Prozesse und Produkte noch ressourcenschonender gestalten und gleichzeitig langfristige Perspektiven für unsere Klient:innen schaffen. Auch die Digitalisierung spielt eine zunehmend wichtige Rolle. Sie eröffnet neue Möglichkeiten in der Betreuung, Kommunikation und Arbeitsgestaltung – stellt uns aber auch vor die Herausforderung, traditionelle Arbeitsweisen mit modernen Technologien zu verbinden. Besonders in der Schreinerei gilt es, den Spagat zwischen klassischem Handwerk und digitaler Entwicklung zu meistern. Hier wollen wir Bewährtes bewahren und gleichzeitig offen für Neues bleiben.
Catherine: Was sind Herausforderungen, die euch aktuell oder zukünftig besonders beschäftigen?
Michael: Gesellschaftliche Veränderungen sowie die steigenden Anforderungen an Inklusion und Teilhabe stellen uns vor neue Aufgaben. Wir möchten unsere Klienten/Klientinnen nicht nur begleiten, sondern ihnen echte Perspektiven bieten – im Alltag, im Arbeitsleben und in der Ausbildung. Ein Bereich, der dabei zunehmend an Bedeutung gewinnt, ist die berufliche Qualifikation. In unserer Schreinerei bieten wir aktuell Ausbildungen als Schreiner:in EFZ sowie Zeichner:in Fachrichtung Innenarchitektur an. Um solche Ausbildungsplätze anbieten zu können, ist es notwendig, sehr nahe am ersten Arbeitsmarkt zu agieren – sowohl in Bezug auf Qualität und Prozesse als auch hinsichtlich der fachlichen Kompetenz unserer Mitarbeitenden. Es braucht Fachpersonen, die nicht nur ihr Handwerk beherrschen, sondern auch bereit sind, ihr Wissen weiterzugeben und Menschen auf ihrem Weg zu begleiten. Diese Verbindung von sozialem Engagement und professioneller Ausbildung ist eine Herausforderung – aber auch eine grosse Chance.
Catherine: Was macht euch als Arbeits- und Lebensort für Menschen mit Beeinträchtigung besonders?
Michael: Wir schaffen Räume, in denen sich Menschen sicher und wertgeschätzt fühlen. Unsere Klient:innen sind aktiv in Entscheidungsprozesse eingebunden. Zudem bieten wir abwechslungsreiche Arbeitsmöglichkeiten – von Handwerk über Gastronomie bis hin zu kreativen Projekten. Wir legen grossen Wert auf Individualität und Mitgestaltung. Unsere Strukturen sind flexibel, unsere Angebote vielfältig. Besonders ist auch unser Engagement für nachhaltige Kooperationen und kreative Projekte – wir denken gerne über den Tellerrand hinaus.
Catherine: Wie hast du die Zusammenarbeit mit råvi organics erlebt?
Michael: Sehr positiv – es war eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe. Wir konnten gemeinsam etwas entwickeln, Ideen einbringen und kreativ sein. Genau solche Projekte schätzen wir sehr.
Catherine: Was bedeutet es für euch, mit einem jungen, nachhaltigen Label wie råvi zu kooperieren?
Michael: Das ist genau die Art von Kooperation, die wir suchen. Nachhaltigkeit ist uns ebenfalls sehr wichtig. Produzieren nach Vorgaben kann jeder – aber ein Produkt mitentwickeln, begleiten, pröbeln und weiterentwickeln, das ist unsere Stärke. Besonders spannend war auch, dass es sich um ein Holzprodukt handelt – ein Werkstoff, mit dem wir natürlich sehr gerne arbeiten. Wir unterstützen junge Labels gerne und freuen uns auf eine nachhaltige Partnerschaft.
Catherine: Welche Rückmeldungen habt ihr intern zur Zusammenarbeit oder zum Gua Sha Projekt erhalten?
Michael: Die Rückmeldungen waren durchweg positiv. Viele fanden es spannend zu sehen, was man aus Holz alles machen kann – das Gua Sha war für viele ein überraschendes und inspirierendes Produkt.
Catherine: Wie bist du bei der Umsetzung des Gua Sha Designs vorgegangen?
Michael: Wir haben das Design gemäss der Vorlage von råvi umgesetzt. Zuerst haben wir das passende Material bei einem regionalen Holzlieferanten bestellt. Aus den rohen Klotzbrettern wurden lange Streifen geschnitten, gehobelt und geschliffen –aus den Streifen werden dann die benötigten Formen geschnitten. Zum Schluss werden die Teile sauber geschliffen und die Oberfläche mit einem Öl veredelt- alles in sorgfältiger Handarbeit.
Catherine: Gab es besondere Herausforderungen bei der Fertigung?
Michael: Ja, die Formgebung war durchaus anspruchsvoll. Es brauchte mehrere Versuche, bis wir die perfekte Balance zwischen Funktionalität, Haptik und Ästhetik gefunden hatten. Insbesondere die Schleifarbeit entscheidet zum Schluss, ob das Tool sich auf der Haut angenehm anfühlt oder nicht.
Catherine: Was war dir bei der Herstellung der Gua Shas besonders wichtig?
Michael: Die Qualität und das Gefühl in der Hand. Das Produkt soll nicht nur schön aussehen, sondern sich auch gut anfühlen und langlebig sein. Wir wollten etwas schaffen, das man gerne benutzt und das Wertigkeit ausstrahlt.
Catherine: Gibt es einen Moment oder Aspekt des Projekts, der dir besonders in Erinnerung geblieben ist?
Michael: Ja – tatsächlich war es der Moment der Anfrage selbst. Wir mussten zuerst googeln: Was genau ist ein Gua Sha Tool und wofür wird es verwendet? Die Frage war: Können wir so etwas überhaupt herstellen, sodass es seinen Zweck erfüllt? Müssen wir bestimmte Dinge beachten – etwa in Bezug auf Inhaltsstoffe des Holzes oder die Oberflächenbehandlung? Es ist ein Produkt, das ziemlich weit weg von der klassischen Schreinerarbeit liegt. Aber genau das hat es spannend gemacht. Für unsere Schreinerei war es ein ideales Projekt: handwerklich anspruchsvoll, kreativ und mit viel Raum für Entwicklung. Solche Herausforderungen nehmen wir gerne an.